Thema: Die verworfene Psychothriller-Version von Der Anschlag
Worum geht es?
In seinem Thriller „Der Anschlag“ (2011 unter dem Original-Titel „11/22/63“ erschienen) entführt der Bestseller-Autor Stephen King seine Leserschaft in die Vergangenheit. Genauer gesagt in die 50’er- und 60’er-Jahre in den USA, wo sich ein Zeitreisender plötzlich wiederfindet. Seine Mission: Den Mordanschlag auf Präsident John F. Kennedy verhindern.
Ohne zu viel zu verraten, sei erwähnt, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen King-typischen Psychothriller handelt. Tatsächlich hat der Autor selbst verraten, dass er den Stoff ursprünglich bereits 1973 schreiben wollte – und sich entschied, damit noch zu warten, „da nach nur zehn Jahren der Schock damals immer noch zu tief saß“ (KingWiki).
Was wäre aber gewesen, wenn Stephen King seine erste Version dieser Geschichte durchgezogen hätte? Wie hätte der junge Autor von Psychothrillern den Plot ausgestaltet? Dabei kam mir eine interessante Idee, welchen Twist er vielleicht eingebaut hätte…
Mein Prompt an ChatGPT
Schreibe ein fiktives Interview mit Stephen King. Thema: „Ich wollte 11/22/63 ursprünglich als Psychothriller schreiben. Jake Epping wäre nach wenigen Jahren verrückt geworden, weil die Zeit sich massiv gegen ihn gewendet hatte. Er hätte Oswald getroffen und erkannt, dass dieser nicht in der Lage gewesen wäre, JFK zu töten. Doch Epping wäre selbst auf Intrigen, Lügen und Tolerierung von Rassismus im Umfeld des Präsidenten gestoßen und hätte sich radikalisiert, um das zu schaffen, was Oswald misslungen wäre: Den Präsidentenmord auszuführen. Und am Ende der Story hätte sich gezeigt, dass man dennoch Oswald zum Täter erklärt hätte, weil er leichter zu fassen war. – Mein Verleger hat jedoch massive Bedenken geäußert, zumal dieser Thriller als Geschichtsfälschung hätte aufgefasst werden können. Daraufhin habe ich die Idee verworfen.“
Interviewer (fiktiv):
Mr. King, Sie haben kürzlich angedeutet, dass 11/22/63 ursprünglich ein deutlich düstereres Buch werden sollte. Klingt ein bisschen so, als hätten Sie Ihrem eigenen Protagonisten damals ordentlich was zugemutet. Was war da los?
Stephen King (fiktiv):
(lacht) Na ja, wissen Sie… ich hab’s noch nie so richtig geschafft, eine Geschichte nicht wenigstens ein bisschen zu quälen. Und bei Jake Epping hatte ich damals das Gefühl: Der Stoff ist so groß, der Mann muss daran fast zerbrechen, sonst stimmt was nicht.
Also ja, ursprünglich war 11/22/63 ein lupenreiner Psychothriller. Jake sollte nach ein paar Jahren in der Vergangenheit so durchdrehen, dass selbst Pennywise ihn beruhigend gefunden hätte.
Interviewer (fiktiv):
Heftig. Und das alles, weil sich „die Zeit gegen ihn wendet“?
Stephen King (fiktiv):
Oh ja. Ich wollte die Zeit wie so eine Art launische Hauskatze darstellen: erst schnurrt sie, dann kratzt sie dir das Sofa kaputt, und ehe du dich versiehst, steckt sie dir die Gardinen in Brand. Jake sollte immer mehr das Gefühl bekommen, dass jede seiner Taten schiefgeht, und zwar absichtlich.
Er trifft Oswald, erkennt: Der Typ ist ein Wichtigtuer, aber kein Killer von Präsidentenformat. Und ab dem Moment knirscht etwas in Jake. Wenn der es nicht war — wer dann?
Interviewer (fiktiv):
Und an diesem Punkt radikalisiert er sich?
Stephen King (fiktiv):
Genau. Jake hätte die dunklen Hinterzimmer des politischen Washington gesehen: Rassismus, Machtspielchen, Vertuschungen. Nicht als Karikatur, sondern als Schatten, die man damals einfach toleriert hat, weil man sagte: „So läuft das halt.“
Und Jake, guter Mann aus Maine, denkt sich: Wenn ich die Welt retten will, muss ich der Böse werden.
Bäm — und schon hätte er beschlossen, JFK selbst zu töten. Aus einer verdrehten Logik heraus. Nicht aus Hass, sondern weil er überzeugt ist, dass der Präsident ein geschichtliches Desaster auslösen wird.
Interviewer (fiktiv):
Das klingt nach einer ziemlich harten Wendung. Und nach einer richtig bitteren Pointe.
Stephen King (fiktiv):
Oh, die wäre richtig zynisch gewesen! (grinst breit)
Jake begeht den Mord, glaubt, er würde damit die Wahrheit ans Licht bringen — und dann? Tja. Die Behörden schnappen Oswald trotzdem, weil er einfacher ins Narrativ passt. Jake wäre in dieser Version der perfekte, unsichtbare Täter gewesen.
Und das Ende wäre ein Schlag in die Magengrube geworden: Die Wahrheit spielt keine Rolle, wenn die Lüge leichter zu drucken ist.
Interviewer (fiktiv):
Und Ihr Verlag hat gesagt: „Äh … Stephen, vielleicht lieber nicht?“
Stephen King (fiktiv):
(hebt die Hände) Wie ein Chor.
Sie meinten, das könnte als Geschichtsfälschung aufgefasst werden, als politische Botschaft, als… alles Mögliche. Und ganz ehrlich: Sie hatten nicht unrecht.
Ich wollte einen Thriller schreiben, keinen Skandal produzieren. Außerdem hatte ich selbst dieses kleine Teufelchen im Ohr, das flüsterte: „Stephen, du kannst die Zeitreise-Nummer auch anders erzählen, ohne dass alle Leser danach eine Therapiestunde brauchen.“
Interviewer (fiktiv):
Bereuen Sie es, dass Sie die Psychothriller-Version verworfen haben?
Stephen King (fiktiv):
Ach, manchmal juckt’s mich schon, das Ding aus der Schublade zu holen. Aber unterm Strich? Ich denke, die veröffentlichte Version war die richtige.
Denn die Wahrheit ist: Manchmal brauchen wir weniger Wahnsinn — und ein bisschen mehr Hoffnung.
Und Jake Epping hat’s verdient, nicht endgültig zum Monster zu werden. Er hat genug durchgemacht.
Interviewer (fiktiv):
Danke, Mr. King. Und danke, dass Sie uns diesen Blick in das Paralleluniversum Ihrer verworfenen Story gegönnt haben.
Stephen King (fiktiv):
Gern. Aber versprecht mir eins: Wenn ich irgendwann doch noch mal verrückte Ideen auspacke… sagt bitte nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. (lacht)

